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„Jetzt ist Matthäiam Letzten!“

„Jetzt ist Matthäiam Letzten!“ So sagt man, wenn die Geduld wirklich zu Ende ist, wenn
jetzt mal Schluss ist und zwar endgültig. Oder wenn jemand in eine
prekäre Lage geraten ist, ohne Hoffnung, da wieder heraus zu kommen,
wenn alles zusammenbricht, nur noch das Schlimmste zu erwarten ist, Ende
Gelände, Ende der Fahnenstange, aus und vorbei, eben: Matthäiam
Letzten.

Die Redensart geht vermutlich auf Martin Luther zurück.  In seinem
Katechismus heißt es an einer Stelle: „Da unser Herr Jesus Christus
spricht Matthäi am Letzten…“ Damit meinte Luther zunächst einfach nur
die letzten Worte des Matthäusevangeliums, und die lauten: „bis an der
Welt Ende.“
Daraus ist dann eine Redewendung geworden, die auf das Weltende
anspielt, den Weltuntergang. Sie besagt mit anderen Worten: Jetzt ist
Schluss, jetzt geht die Welt unter! Das klingt nach Katastrophe. Das ist
düster und bedrohlich.

Auch die Jünger von Jesus mögen sich gefühlt haben wie „Matthäiam
Letzten“. Als ihrem Meister der Prozess gemacht und er auf so furchtbare
Weise am Kreuz hingerichtet wurde, verfielen sie in Schockstarre. Die
Welt war aus den Fugen. Alle Hoffnung schien betrogen, der Tod hatte
gesiegt. Doch dann das unfassbare Wunder von Ostern: Gott hat Jesus von
den Toten erweckt, der Gekreuzigte ist auferstanden, wahrhaftig
auferstanden. Er lebt. Doch bei aller Freude: es war nicht wie früher,
er war nicht wie früher. Das spürten sie deutlich. Er war nicht mehr
einer von ihnen. Er war jetzt auf dem Weg zum Vater. Und so bestellte er
sie auf einen Berg, um ihnen Worte des Abschieds auf den Weg zu geben,
die zugleich Worte des Neuanfangs sind. Ich bleibe, sagt er, auch, wenn
ich gehe. Auf eine andere Weise bleibe ich nah. Bin da, wenn ihr
miteinander esst und euch erinnert an mich. Bin bei euch, wenn ihr meine
Worte und Taten weitergebt, wenn ihr Menschen tauft und in die
Gemeinschaft mit mir einladet. Mir ist gegeben alle Macht im Himmel und
auf der Erde. Und siehe, ich bin bei Euch alle Tage bis an der Welt
Ende!

„Matthäiam Letzten“ ist also nicht Weltuntergang, sondern neuer
Horizont. Nicht Schlusspunkt, sondern Doppelpunkt. Nicht Ende Gelände,
sondern neuer Anfang.
Wenn unsere Welt aus den Fugen gerät und wir den Eindruck haben, jetzt
ist Matthäi am Letzten, dann bleibt uns nichts, als dem zu vertrauen,
der diese letzten Worte gesprochen hat. Versprochen hat!
„Ich bin bei euch alle Tage“: Der Himmel, den Jesus mit sich brachte,
bleibt. Mitten unter uns. Tröstend und stärkend. Er ist darauf
angewiesen, dass wir ihn mit Worten und Gesten weitertragen. Bis an das
Ende der Welt.

Thomas Steinbacher

 

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