Angedacht

Herr, all mein Sehen liegt offen vor dir, mein Seufzen war dir nicht verborgen


Psalm 38,10 – Monatsspruch Oktober

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

im Urlaub auf Bornholm ist es mir im vorigen Jahr erstmals so richtig bewusst geworden, wie erschreckend viel „er“ über mich weiß. All mein Sehnen scheint offen vor „ihm“ zu liegen, dem Internetkonzern, bei dem ich täglich meine Suchanfragen eingebe, Adressen, Personen und Themen, die mich interessieren. Nicht nur das… – von „ihm“ lasse ich mich auch durch die Gegend navigieren, mit „seiner“ Hilfe buche ich Reisen und kaufe Dinge, die es im Laden um die Ecke nicht gibt. Und dann ploppen also im Bornholmer Ferienhaus (mit WLAN-Anschluss) auf meinem Smartphone plötzlich Nachrichten auf, und „er“ schlägt mir vor, welche Fischrestaurants es in der Nähe gibt und welche Konzerte in den nächsten Tagen im näheren Umkreis stattfinden. Ich war erschrocken: Woher weiß „er“, dass ich gerne Fisch esse und im Urlaub besonders gern Konzerte besuche?
Manchmal wirkt es, als würden Google & Co. mehr und mehr Attribute Gottes okkupieren: Allwissenheit, Allgegenwart, Allmacht. Doch bei den Riesen des Internet geht es letztlich nur um Kaufen und Verkaufen, um Geld und immer mehr Geld. Mein innerstes Sehnen und Seufzen, meine wahren Gründe und auch meine Abgründe – sie bleiben den digitalen Götzen verborgen.
Der lebendige Gott dagegen interessiert sich wirklich für mich. Er will, dass ich Sinn und Glück erlebe. Ihn kann ich mit Du anreden. Er hört und versteht auch das, was ich gar nicht aussprechen mag. Der Beter von Psalm 38 bekennt, dass Gott auch die dunklen Ecken kennt, die schwer zu tragenden Geheimnisse, die Sünden, die den Beter wie eine schwere Last krumm und gebückt gehen lassen. Einsamkeit, heißt es, sei eine Krankheit unserer Zeit, in der Menschen andere nicht brauchen, weil sie alles alleine können und machen – gern auch mit Hilfe der so genannten Sozialen Medien. So lange, bis sie in der realen, der „analogen“ Welt niemanden mehr kennen und selber nicht mehr gekannt werden. Erschreckend ist, dass bereits junge Menschen vereinsamen. Was nicht weiter auffällt, wenn sie ihr Sehnen nicht zeigen und ihr Seufzen niemand hört. Doch sie alle bleiben erfüllt von der Sehnsucht danach, dass das Leben wieder gut wird mit sozialen Bindungen, dass sie wieder Freunde finden oder in eine Familie zurückkehren. Gott versteht, hört hin, schenkt Vertrauen und Zuversicht, dieses Sehnen in Worte zu fassen.

Herzliche Grüße, Ihr und Euer

Thomas Steinbacher

L BHerr, all mein Sehen liegt offen vor dir, mein Seufzen war dir nicht verborgen

Vergesst die Gastfreundschaft nicht; denn durch sie haben einige, ohne es zu ahnen, Engel beherbergt.


Hebräer 13,2, Monatsspruch Juni

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

Gastfreundschaft ist heilig. Davon erzählt die Bibel auf ihren ersten Seiten (1.Mose 18): an Abrahams Zelt kommen in der Mittagshitze drei Männer vorbei. Abraham bittet, ja nötigt sie, bei ihm einzukehren, sich die Füße waschen und sich bewirten zu lassen. Nach dem Gastmahl stellt sich heraus, dass in den geheimnisvollen Männern Gott selbst bei Abraham und seiner Frau Sara eingekehrt ist. Gott hat eine Verheißung mitgebracht: das alt gewordene Paar soll doch noch den lang ersehnten Nachwuchs bekommen.
Auf diese Geschichte spielt am anderen Ende der Bibel der Hebräerbrief an: Wenn wir gastfreundlich sind, dann könnte es sein, dass wir, ohne es zu ahnen, Engel – also Boten Gottes – an unseren Tisch einladen.

Gastfreundschaft kann überraschen. Als wir bei unserer Ägyptenreise in Alexandria bei der Besichtigung einer koptischen Kirche zufällig eine Hochzeitszeremonie miterlebten, wurden wir prompt eingeladen: zunächst ganz freimütig zum Fotografieren, und dann sogar zum Hochzeitsessen. Dabei waren wir doch völlig fremde Ausländer! Wir waren so perplex, vielleicht auch ein bisschen misstrauisch, dass wir die Einladung nicht angenommen haben. Im Nachhinein haben wir uns sehr ausgiebig über uns selber geärgert.
Zuhause habe ich auch schon das Gegenteil erlebt: bei alten Bekannten geklingelt und zu hören gekriegt: „Sorry, es passt gerade nicht!“

Gastfreundschaft macht glücklich. Ich will mir vornehmen, niemanden vor meiner Tür stehen zu lassen. Will mir auch ohne vorherige Anmeldung Zeit nehmen für ein spontanes Gespräch, eine kurzfristige Einladung.  Auch wenn es meine Pläne sprengt. Will die Feste feiern, wie sie fallen. Ob jedes Mal ein Engel zu Besuch war, weiß ich gar nicht so genau. Beflügelt haben mich aber unsere Gäste und die Gespräche eigentlich immer.

Ich wünsche euch allen, die ihr demnächst in den Urlaub aufbrecht, überraschende Begegnungen, glückliche Erfahrungen und Offenheit für andere, auch fremde Menschen. Und – wo es sich ergibt – Gastfreundschaft: im Geben und im Nehmen.

Herzlich,

Thomas Steinbacher

L BVergesst die Gastfreundschaft nicht; denn durch sie haben einige, ohne es zu ahnen, Engel beherbergt.

Jesus Christus spricht: Friede sei mit euch! Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch.

Jesus Christus spricht: Friede sei mit euch! Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch.

Johannes 20,21 – Monatsspruch April 2018

 

Liebe Leserinnen und Leser,

Der Monatsspruch ist aus einer dieser geheimnisvollen Oster- und Pfingstgeschichten aus dem Neuen Testament. Sie sind so geschrieben, dass wir uns darin wiederfinden sollen. Vielleicht so:

Wie die Jünger damals am Karfreitag haben auch wir uns zurückgezogen. Verschanzen uns hinter unseren Kirchenmauern oder ziehen uns ins Privatleben zurück. Lieber nicht in die Öffentlichkeit gehen mit der Jesusbotschaft! Man weiß ja nie… und überhaupt… Wir haben zwar die Geschichte von der Auferstehung gehört (wie die Jünger von Maria Magdalena: „Ich habe den Herrn gesehen!“), aber wir wissen nicht so recht, was wir damit anfangen sollen, was das für Auswirkungen haben soll auf unser Leben.

Da muss der Auferstandene schon selber kommen, muss unsere Mauern überwinden, vor allem die in den Köpfen. Er muss unsere Furcht aufweichen und unsere Bequemlichkeit. „Friede sei mit euch!“ sagt er. Interessanterweise muss Jesus das sogar mehrmals sagen, wie man in Johannes 20 nachlesen kann. Als sei sogar die persönliche Begegnung mit Jesus wiederholungsbedürftig. „Sie wurden froh, dass sie den Herrn sahen“, heißt es erstmal ziemlich verhalten. Begeisterung klingt anders. Die kommt erst beim zweiten Friede-sei-mit-Euch. Da bläst Jesus sie an, pustet ihnen den Schlaf aus den Augen und die Angst aus dem Herzen. „Nehmt hin den heiligen Geist!“ Lasst Luft in eure Mauern, Geist in eure Köpfe, Mut in euer Reden und Handeln!

„Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch!“ sagt Jesus und schickt uns damit nach Draußen. Wir brauchen nicht mehr nur unter uns bleiben. Nicht mehr nur mit Gleichgesinnten reden und essen und befreundet sein. Und auch das, was wir von Jesus gesehen und begriffen haben, müssen wir nicht mehr für uns behalten, sondern können es öffentlich zeigen und mit Leben füllen. Angstfrei und ohne jede Verbissenheit. Gottes Schalom hält uns den Rücken frei – versprochen von Jesus: Friede sei mit euch!

Eine gesegnete Osterzeit wünscht Ihnen und euch,
Thomas Steinbacher

 

L BJesus Christus spricht: Friede sei mit euch! Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch.

Durch die herzliche Barmherzigkeit unseres Gottes…

… wird uns besuchen das aufgehende Licht aus der Höhe, damit es erscheine denen, die sitzen in Finsternis und Schatten des Todes, und richte unsere Füße auf den Weg des Friedens.

Lukas 1,78–79 // Monatsspruch Dezember 2017

 

Liebe Leserinnen und Leser,

die alten Meister konnten auf großartige Weise den Kontrast von Licht und Dunkelheit malen. So auch Federigio Barocci (1526-1612) mit seinem Bild der Geburt Christi, das auf der Titelseite des Gemeindebriefs zu bewundern ist. Im Zentrum die lichte Gestalt der Maria. Ihr leuchtender Blick und ihre offenen Hände wenden sich ihrem Kind zu, das ebenfalls von innen her strahlt und leuchtet. Der Rest des Bildes ist im Dunkel und Halbdunkel. Josef im Schatten hat gerade zwei Besuchern die Tür geöffnet und zeigt auf das Jesuskind, weist auf die Richtung, aus der das Licht kommt.

Auch wenn wir als moderne Menschen echte Finsternis kaum noch kennen und beispielsweise in Berlin wegen des Lichtsmogs kaum noch den Sternenhimmel bewundern können, haben wir doch eine Ahnung davon, was es heißt „in Finsternis und Schatten des Todes zu sitzen“.
Ich jedenfalls hab‘s gern hell, ich tappe nicht gern im Dunkeln, ich möchte lieber alles bei Licht besehen und durchschauen. Nächte, in denen ich nicht schlafen kann, weil etwas nicht in Ordnung ist, weil die dunklen Seiten des Lebens übermächtig scheinen, solche Nächte machen mir Angst. Ich warte auf den Morgen, darauf, dass es hell in mir und für mich wird. Wahrscheinlich werden nachts sehr viel mehr Gebete gen Himmel geschickt als tagsüber. Unsere Seelen brauchen Licht und Gottes Nähe, denn manche Nächte sind kaum auszuhalten.

Die Botschaft von Weihnachten erzählt von der Überwindung der Nacht. In dem Kind der Maria kommt Gott zur Welt. In Christus leuchtet uns Gottes Angesicht, strahlt uns an und überwindet Angst und Tod. Finstere Machenschaften werden überwunden, Dunkelmänner entmachtet. Unsere Füße werden auf den Weg des Friedens gerichtet. Auch in schlaflosen Nächten darf ich wissen: der neue Morgen kommt.
Ich wünsche Ihnen und euch eine lichtvolle Advents- und Weihnachtszeit und ein friedliches neues Jahr!

Thomas Steinbacher

 

L BDurch die herzliche Barmherzigkeit unseres Gottes…

Danke, Biene!

Im Sommerurlaub habe ich „Die Geschichte der Bienen“ gelesen. Der Roman der norwegischen Schriftstellerin Maja Lunde verbindet das Schicksal der Menschen mit dem Schicksal der Bienen. Ein englischer Forscher entwirft im Jahr 1852 einen neuartigen Bienenstock, der eine artgerechte Bienenzucht und Honigproduktion ermöglichen soll. Ein zweiter Erzählstrang springt in die Gegenwart. In Ohio verschwinden im Jahr 2007 plötzlich die Bienen. Sie sterben massenhaft, und das treibt nicht nur Imker, sondern auch Obstbauern in den Ruin. Denn die Bienen sind ja nicht nur nützliche Honigproduzentinnen, sondern sie bestäuben die meisten Obst- und sonstigen Fruchtpflanzen. Der dritte Erzählstrang des Romans malt die düstere Zukunft einer Welt ohne Insekten. In China im Jahr 2098 müssen tausende Arbeiterinnen von Hand Bäume bestäuben, denn Bienen gibt es längst nicht mehr. Die Nahrungsmittelproduktion ist weltweit zusammengebrochen. Die Bestäubung von Obstbäumen durch Menschenhand kann dies nur ansatzweise wettmachen…

Meine Urlaubslektüre hat mich aufmerksam für die Welt der Insekten gemacht.
Mit Sorge nehme ich wahr, dass beim Autofahren übers Land kaum noch Insekten an der Windschutzscheibe kleben. Ich sehe, wie bienenfeindlich die riesigen Felder sind, an denen wir stundenlang vorbeiradeln. Monokulturen statt bunter Felder mit Rainen und wilden Wiesen. Mit Sorge lese ich die Nachrichten über das weltweite Bienensterben und die dramatische Dezimierung fast aller Insektenarten – von Wildbienen bis zu Schmetterlingen und Käfern.

So war das Thema für unser Erntedankfest bald gefunden: „Danke, Biene!“

Denn „die unverdross‘ne Bienenschar“, die Paul Gerhardt schon 1653 in seinem berühmten Sommergesang beschrieb, steht für das Wunder der Schöpfung. Dabei wusste Paul Gerhardt noch nicht halb so viel wie wir über den faszinierenden Superorganismus, den solch ein Bienenvolk darstellt, über die geheimnisvolle Organisation und Kommunikation, mit der diese Geschöpfe leben und arbeiten. Und wir Menschen sind mit ihnen als unseren Mitgeschöpfen vernetzt. „Wenn die Bienen sterben, haben die Menschen höchstens noch 4 Jahre zu leben“, soll Albert Einstein gesagt haben.
Erntedank, der Dank für die Bienen und das Staunen über die Wunder der Schöpfung erinnert uns also an unsere Verantwortung, die Schöpfung zu bewahren…

Thomas Steinbacher

L BDanke, Biene!

Es wird Freude sein vor den Engeln Gottes über einen Sünder, der Buße tut.


Lukas 15,10 – Monatsspruch Oktober 2017

Liebe Leserinnen und Leser,

 
Ich stelle mir ein himmlisches Erntedankfest vor. Die Engel schauen, welche Ernte sie eingebracht habe. Da gibt es viele tolle Begebenheiten. Sie erzählen von getrösteten Menschen. Da gibt es die Verkündigung, die große Freude hervorgerufen hat. Die Schutzengel haben viel zu berichten. Mancher Auftrag ist für die Boten Gottes gar nicht so leicht an die Frau und den Mann zu bringen, oft werden sie übersehen und ihre Arbeit und ihren Erfolg beanspruchen andere für sich. Wie menschlich es doch bei den Engeln zugeht. Und worüber freuen sich die Engel Gottes?
Ein Sünder, der Buße tut – das klingt erst einmal nicht so bemerkenswert. In der Praxis sieht das viel schwieriger aus. Erst einmal muss ein Mensch einen Fehler erkennen und dann noch gewillt sein, etwas zu verändern. Bis heute geht der Vergebung das Schuldeingeständnis, die Beichte voraus. Also viel Freude kommt bei den Engeln wohl nicht auf, oder? Was hat das mit Erntedank zu tun?
Die Saat der Gleichgültigkeit, der gegenseitigen Schuldzuweisungen, der Verantwortungslosigkeit geht ziemlich schnell auf. Streuen wir Vertrauen für andere Menschen und die Schöpfung, Frieden und Gerechtigkeit in den Acker des Lebens.
Schleichen wir uns zu den Engeln und feiern Erntedankfest. Ich bin sicher, es wird Freude sein bei den Engeln Gottes über mich, wenn ich nicht immer nur Ausflüchte suche, sondern auch etwas in meinem Leben verändern will.
Mit diesen Gedanken von Carmen Jäger laden wir Sie & euch herzlich zu unseren Gemeindeveranstaltungen im Oktober und November ein.

Herzliche Grüße,

Thomas Steinbacher

L BEs wird Freude sein vor den Engeln Gottes über einen Sünder, der Buße tut.

Aber Gottes Hilfe habe ich erfahren bis zum heutigen Tag und stehe nun hier und bin sein Zeuge bei Klein und Groß

Apostelgeschichte 26,22 – Monatsspruch August

Liebe Leserinnen und Leser,

„Hier stehe ich. Ich kann nicht anders. Gott helfe mir. Amen.“ Diese Worte sind berühmt geworden. Mit ihnen soll Martin Luther 1521 beim Reichstag zu Worms seine Verteidigungsrede beendet haben. Luther weigerte sich, seine reformatorischen Überzeugungen zu widerrufen.
Luthers Mut, „Ich“ zu sagen und gegen die religiösen und politischen Autoritäten seiner Zeit dem eigenen Gewissen zu folgen, hat Geschichte gemacht und die Idee der Meinungs- und Gewissenfreiheit voran gebracht.

Auch Paulus sagt „Ich“ und steht zu seinen Überzeugungen. Der Monatsspruch ist einer langen Rede in der Apostelgeschichte entnommen, die der Apostel vor Agrippa, dem römischen König in Judäa hält. Paulus wehrt sich gegen die Anschuldigung, ein Unruhestifter zu sein. Er legt dem König sorgfältig dar, wie und warum er zum Glauben gefunden hat. Er redet nicht rechthaberisch. Er agitiert nicht. Er spricht vielmehr freundlich einladend von seinen Erfahrungen mit Jesus Christus. Er doziert nicht, sondern bezeugt sehr persönlich, wie er Gottes Hilfe in seinem Leben erlebt hat. Diese gewinnende Art „Ich“ zu sagen, beeindruckt sogar den König: „Es fehlt nicht viel, so wirst du mich noch überreden und einen Christen aus mir machen“, gesteht Agrippa (Apg 26,28).

„Hier stehe ich. Ich kann nicht anders.“ Bei uns kommt es nur selten zu solchen Bekenntnissituationen. Wir müssen wegen unseres Glaubens und Gewissens nicht um unser Leben fürchten – Gott sei Dank!
Trotzdem: auch heute ist es nicht egal, was wir glauben und denken, wie wir reden und handeln. Und wir sind als Christen wirklich gefragt und gefordert: wenn es z.B. um den Schutz von Flüchtlingen geht oder den Umgang mit Minderheiten oder die Rechte der Schwachen in unserer Gesellschaft. Und: ab und zu werde ich tatsächlich auch nach meinem Glauben gefragt, wie ich dies oder das „als Christ“ sehe… Dann möchte ich dem Beispiel des Paulus folgen und persönlich reden statt allgemein, möchte erzählen statt zu agitieren, einladend statt eifernd… „Gott helfe mir. Amen“.

Einen schönen Sommer wünscht Ihnen und euch,
Thomas Steinbacher

L BAber Gottes Hilfe habe ich erfahren bis zum heutigen Tag und stehe nun hier und bin sein Zeuge bei Klein und Groß

Ein Schiff, das sich Gemeinde nennt

„Ein Schiff, das sich Gemeinde nennt, fährt durch das Meer der Zeit.
Das Ziel, das ihm die Richtung weist, heißt Gottes Ewigkeit.

Das Schiff, es fährt vom Sturm bedroht durch Angst, Not und Gefahr,
Verzweiflung, Hoffnung, Kampf und Sieg, so fährt es Jahr um Jahr.
Und immer wieder fragt man sich: Wird denn das Schiff bestehn?
Erreicht es wohl das große Ziel? Wird es nicht untergehn?
Bleibe bei uns, Herr! Bleibe bei uns, Herr, denn sonst sind wir allein auf der Fahrt durch das Meer. O bleibe bei uns, Herr!“

Martin Gotthard Schneider, 1963

 

Liebe Leserinnen und Leser,

Ziemlich martialisch klingt dieser Kirchensong aus den 1960er Jahren. Doch mir gefällt dieses Bild: die christliche Gemeinde als Schiff im Meer der Zeit. Das passt zu den Jüngern Jesu, von denen einige ja Fischer waren, raue Burschen, die mit ihren Booten auf dem See Genezareth zuhause waren und fast zwangsläufig auch mal in Seenot gerieten. Während die Wellen übers Deck schlugen, so erzählt die Bibel, schlief Jesus und musste geweckt werden: „Herr, kümmert es dich nicht, dass wir untergehen?“
Auch heute kommt es mir manchmal so vor, als würde Jesus schlafen, während wir gegen Sturm und Wellen kämpfen und uns vor dem Untergang unseres „Kirchenschiffes“ fürchten. Wir müssten ihn wachrütteln, denke ich dann: „Herr, kümmert es dich nicht, dass wir untergehen?“
Die Alternative zur Fahrt auf gefährlichen Wassern wäre es, gar nicht erst hinauszufahren. Lieber gleich im Hafen bleiben. Aus dem Rettungsboot, das wir mal waren, würden wir zum Beispiel eine gemütliche Hafengaststätte machen: Seefahrerambiente, alles schön mit Schiffsutensilien dekoriert, aber in Wirklichkeit fest an der Mole vertäut, im Hafen verankert, längst nicht mehr hochseetauglich… – ein Zerrbild von Kirche.
„Aufbrechen!“ heißt kurz und knackig das Thema der Norddeutschen Jährlichen Konferenz 2017. Sie findet passenderweise in Bremerhaven statt, einer Seefahrerstadt, die vor 150 Jahren als Europas größter Auswandererhafen berühmt wurde. Von hier brachen Hunderttausende Menschen auf, um der Unfreiheit und Armut zu entfliehen und am andern Ende der Welt ihr Glück zu suchen.
Ich hoffe und bete, dass die Konferenz in Bremerhaven uns Mut macht zum Aufbrechen. Dass wir die Angst vor den hohen Wellen und dem Gegenwind verlieren, weil wir wissen: Jesus ist an Bord.
„Und er stand auf und bedrohte den Wind und sprach zu dem Meer: Schweig und verstumme! Und der Wind legte sich und es entstand eine große Stille.

Und er sprach zu ihnen: Was seid ihr so furchtsam? Habt ihr noch keinen Glauben?“ (Markus 4,39-40)

In diesem Sinne: Ahoi!

Thomas Steinbacher

L BEin Schiff, das sich Gemeinde nennt

Eure Rede sei allezeit freundlich und mit Salz gewürzt

Kolosser 4,6 | Monatsspruch Mai 2017

Liebe Leserinnen und Leser,
Worte haben Macht. Der Ton macht die Musik. Was und wie wir miteinander reden, prägt unsere Beziehungen, prägt sogar die gesamtgesellschaftliche Atmosphäre. Es ist erschreckend, was da momentan alles aus dem Ruder läuft. Der Ton ist rau geworden. Um Aufmerksamkeit zu erregen, wird verbal aufgerüstet. Wird gemotzt und gepöbelt. Schlimmste Hasskommentare im Internet nehmen überhand. Sogar Regierungschefs halten rüde Reden oder twittern in Rüpel-Rhethorik. Ihre Anhänger finden das gerade gut: „Das wird man ja wohl mal sagen dürfen!“ Und: „Der nimmt wenigstens kein Blatt vor den Mund.“

Doch Jesus warnte davor, die Macht der Sprache zu unterschätzen. Was ich zu anderen sage, kann heilen oder töten. Worte können Kriege anzetteln oder Frieden stiften. Wir sind für das verantwortlich, was aus unserem Mund kommt.  Die neutestamentlichen Briefe haben diese Gedanken aufgenommen und – wie im Monatsspruch – ins Positive gewendet. Freundlich sollen wir reden, besonders freundlich, wenn es um Gottes Sache geht, um den Glauben, um das Evangelium. Drohbotschaften oder Hasspredigten sind mit dem Geist des Evangeliums nicht vereinbar.
Freundlich, das heißt für mich: nicht belehrend und von oben herab. Nicht rechthaberisch, sondern dialogisch, auf Augenhöhe. Nicht dogmatisch und ausgrenzend, sondern humorvoll. Sodass mein Gegenüber sich nicht angegriffen fühlen muss. Aber bitte auch kein Gelaber! „Mit Salz gewürzt“, das heißt: deutlich statt lasch. Freundlich zwar, aber klar und nicht um den heißen Brei herum.

Ich zitiere die Übertragung von Jörg Zink: „Verhaltet euch klug den Außenstehenden gegenüber und nützt die Gelegenheit, wenn sie sich bietet, euren Glauben zu bekennen. Redet immer mit Freundlichkeit und dabei in der Sache klar. Denn es ist wichtig, dass ihr wisst, wie ihr jedem antworten könnt.“ Es geht um unseren Glauben und wie wir über ihn sprechen können. Populär ist das nicht, angesichts von religiösem Fanatismus. Da wagen wir es kaum noch, unseren Glauben zur Sprache zu bringen, sind vielleicht sogar unsicher und sprachlos…
Dabei sind wir Christen doch das Salz in der Suppe (sagt Jesus, Matthäus 5,13)! Glaube ist die Würze des Lebens, und davon können wir reden, ganz freundlich.

Herzliche Grüße

Thomas Steinbacher

L BEure Rede sei allezeit freundlich und mit Salz gewürzt

Wenn ihr in ein Haus kommt, so sagt als erstes: Friede diesem Haus!

Wenn ihr in ein Haus kommt, so sagt als erstes: Friede diesem Haus!

Lukas 10,5 – Monatsspruch Februar 2017

Liebe Leserinnen und Leser,

Leute gibt‘s, die haben ein Einfühlungsvermögen wie eine Kreissäge. Sie setzen ihr Thema gegenüber jedem durch, ob er es denn hören will oder nicht. Zu einer Unterhaltung auf Augenhöhe, einem gleichberechtigten Reden und Hören kommt es nicht. Ich jedenfalls bin froh, wenn ich solch eine Labertasche wieder von der Backe habe.
Jesus gibt seinen Jüngern, die er auf Missionstour schickt, so etwas wie Benimm-Regeln mit. Damit es aus Übereifer oder Hochmut nicht zu einem geistlichen Hausfriedensbruch kommt. So entsteht nämlich kein Vertrauen, sondern nur verbrannte Erde für die Frohe Botschaft. Die Botschafter sollen sich entsprechend ihrer Botschaft verhalten. Sie verkündigen einen umfassenden Frieden, deshalb sollen sie auch selbst friedfertig sein. „Friede diesem Haus!“: Das ist ein Gruß, der mich wert schätzt, meine Art zu leben, meine Familie. Ich werde nicht in die Defensive gedrängt, sondern kann nach der Tür zu meinen Privatbereich auch mich selbst öffnen.
Für mich als Gemeindepastor ist es bei Hausbesuchen eine Entlastung, wenn ich an einer Tür klingele und denke: „Friede sei diesem Haus!“ Ich stehe unter keinem Druck, dem Besuchten etwas verkaufen zu müssen wie ein Hausierer. Ich bin ein interessierter Mitchrist, der sich mit den Fröhlichen freut und mit den Traurigen trauert. Oft verlasse ich später das Haus selbst beschenkt – durch ein richtig gutes Gespräch.
Mit diesen Gedanken aus einer Zeitschrift grüße ich Sie herzlich und füge noch ein „P.S.“ hinzu:
„Friede diesem Haus!“ der Segenswunsch möge auch über der Salemkirche Neukölln stehen, die ja den Frieden („Salem“) im Namen trägt. In unserer Nachbargemeinde mit dem „Kindertreff Delbrücke“ wurden ja, wie schon berichtet, seit Oktober 2016 immer wieder Scheiben eingeworfen, wurde eingebrochen und randaliert. Wir haben seitdem nicht nur Kontakt mit der Polizei, sondern z.B. auch mit einem benachbarten Moscheeverein, dessen Imam uns besucht und Hilfe angeboten hat. Ein „Offener Brief“ an die Steinewerfer hängt an der Eingangstür. Und es ist gut zu wissen, dass auch viele andere Mitchristen an die Neuköllner denken und für sie beten. Seit dem 2. Januar ist – Gott sei Dank – kein Stein mehr geflogen…

Thomas Steinbacher

L BWenn ihr in ein Haus kommt, so sagt als erstes: Friede diesem Haus!